Dienstag, 09.09.2025
Walserherbst 2025: Das waren drei Wochen voller Kunst, Musik und Austausch im Großen Walsertal

Mit "Pippi Langstrumpf" in den Workshoptag bei der 5. Radix Musikwerkstatt in der Propstei St. Gerold.
Im Laufe des Festivals standen neben sechs Ausstellungen über 30 Veranstaltungen auf dem Programm. Musikalisch spannte der Walserherbst den Bogen von regional bis international. Die Reihe „Klingende Kirche“ brachte mit dem Duo Campanula, dem Lofoten Cello Duo gemeinsam mit Clemens und Kilian Erhart aus Marul sowie dem Kokle-Jugendensemble aus Riga eindrucksvolle Konzertabende in die Kirchen des Tals. In der Reihe „Aufg’spielt und Aufkocht“ luden die Orivesi All Stars aus Finnland und die Janusz Prusinowski Kompania aus Polen in eine Walser Scheune hoch über Blons zum Tanzen, Essen und Feiern.
Ein besonderes Kapitel schrieb die neunte Radix Musikwerkstatt: Unter der Leitung von Evelyn Fink-Mennel – zugleich Kuratorin des Walserherbst-Musikprogramms – konnte nicht nur ein neuer Teilnahmerekord verzeichnet werden, sondern auch ein Abschlussfest mit fast 100 spielenden, singenden und tanzenden Musiker*innen auf dem prall gefüllten Dorfplatz von Blons stattfinden.
„Viele Gäste besuchten das Tal, genossen die Verbindung von Natur und Kultur, wanderten tagsüber und ließen den Abend mit Musik und Literatur ausklingen“, freut sich Festivalleiter Dietmar Nigsch. „Besonders wertvoll waren aber auch die vielen Komplimente der Bewohnerinnen und Bewohner – und die großartige Arbeit des Festivalteams.“
Theater mit Martina Spitzer, Maria Hofstätter und Martha Labil, das „Waldstück“ an einem abgelegenen Ort im Biosphärenpark, Filmtage sowie das Lutzschwefelbad, das diesmal auch als Lehmschlickerbad von der Lehmbau-Familie Rauch aus Schlins umgesetzt wurde, gehörten zu den weiteren Höhepunkten.
Was den Walserherbst von vielen anderen Festivals unterscheidet, ist seine Nähe zu den Menschen und Orten im Tal. Konzerte finden in Scheunen oder Stuben statt – wie jenes spontane Wohnzimmerkonzert der lettischen Kokle-Musikerinnen für die Nachbarschaft. Selbst das Wetter spielte mit: Der Regen hörte mehrfach punktgenau auf, während Team, Festivalleitung und Publikum gemeinsam eifrig Bänke und Stühle trockenwischten.
Überraschungen waren ohnehin Teil des Alltags: wenn Festivalinitiator Dietmar Nigsch im intimen Gespräch mit Psychotherapeuten Johannes Rauch über Herkunft philosophiert, wenn Co-Leiter Eugen Fulterer kurzerhand selbst in die Küche geht, um das Heurigenbuffet fürs Finale zu präparieren, oder wenn ein Künstler wie Franz Hautzinger erst den Staatspreis für Kultur erhält und zwei Tage später mit Maria Hofstätter in einem Stall das preisgekrönte Hörspiel „Wechselbälgchen" live präsentiert.
„Es sind die kleinen Begegnungen zwischen Menschen, Kulturen und Sprachen, die den Walserherbst zu einem nachhaltig unvergesslichen Erlebnis machen – und gerade in turbulenten Zeiten so notwendig sind“, sagt Co-Festivalleiter Eugen Fulterer.
Seinen Schlusspunkt fand das Festival am 6. September mit Wiener Heurigenmusik & Buffet: Das Duo SchrammelBach begeisterte mit einer originellen Mischung aus Sebastian Bach und Schrammelmusik, voller Sarkasmus, schwarzem Wiener Schmäh und reichlich Lachmuskeltraining.
Mit "Pippi Langstrumpf" in den Workshoptag bei der 5. Radix Musikwerkstatt in der Propstei St. Gerold.